Der Gewinner-Entwurf der Architekten

Shigeru Ban in Paris – Frankreich

Der Gewinner-Entwurf der Architekten

Der Gewinner-Entwurf der Architekten © CA2M, Shigeru Ban, Jean de Gastines, Philip Gumuchdjian

Nach dem Guggenheim Museum in New York und der Tate Gallery in London möchte nun auch das Pariser Museum Centre Pompidou eine Außenstelle gründen. Im Januar 2003 entschieden das Centre Pompidou und die Stadt Metz die erste Zweigstelle des Centre Pompidou in lothringische Stadt zu errichten. Die 45 Millionen Euro teure Dependance wird voraussichtlich Anfang 2007 eröffnet und soll in Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des neuen Hochgeschwindigkeitszuges Paris-Metz-Straßburg außer den französischen Besuchern auch Gäste aus Ost- und Nordeuropa anziehen.

Den Architekturwettbewerb, der im März 2003 ausgelobt wurde und an dem sich 157 Architekten beteiligt hatten, gewann am Ende 2003 das Team von Shigeru Ban aus Tokio, Jean de Gastines aus Paris und Philip Gumuchdjian aus London. Die Architekten ließen sich bei ihrem Entwurf von einem chinesischen Flechthut inspirieren und stapelten unter einer zeltartigen Struktur aus Metall und Holz drei 90 Meter lange und 15 Meter breite Galerien verdreht übereinander. Das mit einer Membran aus Glasfasern überzogene Geflecht wird von den drei Galerien und von einer 80 Meter hohen Metallstruktur durchstoßen.

Modell des Gewinner-Entwurfs der Architekten

Modell des Gewinner-Entwurfs der Architekten © CA2M, Shigeru Ban, Jean de Gastines, Philip Gumuchdjian

Zu Planung und Realisierung des Projektes trafen die Architekten eine überraschende Vereinbarung mit dem Centre Pompidou. Sie errichteten im September 2004 auf einer ungenutzten Terrasse der sechsten Etage des Centre Pompidou in Paris ein temporäres Architekturbüro und vertrauten den Aufbau der Struktur ihren Architekturstudenten an. Als Markenzeichen des japanischen Architekten Shigeru Ban, wurde die Struktur aus einem innovativen Pappröhren-Struktursystem (Paper Tube Structure) aufgebaut. Eine ähnliche Struktur setzt Shigeru Ban auch bei dem Bau des japanischen Pavillons für die EXPO 2000 in Hannover ein.

Dem Grundriss der Terrasse angepasst, ist der lang gestreckter Raum mit einer Länge von 35,6 m und einer Breite von 4,38 m von einer kreisrunden Wölbung überspannt, die aus einer wasserundurchlässigen Membran und Paneelen besteht. Diese liegen auf einem zylindrischen System von 23 Bögen auf, welche das Grundraster des Centre Pompidou aufnehmen. Diese temporäre Struktur umfasst verschiedene Funktionsbereiche: eine Rezeption, einen Besprechungsraum, einen Arbeitsbereich und einen Modellbauraum.

In wieweit die Arbeit der Architekten für Besuchern des „Musée national d’art moderne“, welches sich auf der sechsten Etage befindet, einsehbar wird bleibt abzuwarten. Neugier wird das temporäre Architekturbüro sicher erwecken und vielleicht die Arbeit des Architekten dem Besuchern etwas näher bringen. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass die Architekten ihren kühlen Kopf behalten und sich nicht schon als Ausstellungsstücke in das Museum einreihen.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Text veröffentlicht in der Deutschen Bauzeitschrift, 10/2004

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