Eine Villa Medici, Clichy-Montfermeil – Frankreich

Der Tour Utrillo in Montfermeil

Der Tour Utrillo in Montfermeil © Isabelle Lassalle, 2012

Die beeindruckende Villa Medici auf dem Pincio-Hügel in Rom beherbergt sein 1803 die Académie de France. Die Villa ist eine Residenz für von dem Institut de France ausgewählten Künstlern verschiedener Diziplinen, welche dort zwischen 6 und 18 Monaten arbeiten.
Clichy-Montfermeil ist ein berühmt-berüchtigter Vorort von Paris und sozialer Brennpunkt. Ausgangspunkt der im Oktober 2005 beginnenden Unruhen und gewalttätigen Konfrontation zwischen Polizei und verschiedenen Jugendgruppen, welche sich im November 2005 auf verschiedene Städte Frankreich ausweiteten.
Der Kultusminister, Frédéric Mitterrand, hat nun bekanntgegeben, dass der französische Staat den seit einiger Zeit leerstehenden Tour Utrillo in dem von Grosswohnsiedlungen geprägten Stadtviertel Les Bosquets in Clichy-Montfermeil kaufen wird. Ziel ist es eine Art Villa Medici in dem ehemaligen Bürohochhaus einzurichten, welche ausgewählte Künstler für eine gewisse Zeit beherbergen soll.
Das Projekt steht im Kontext des Grand Paris, um die bis heute überwiegend auf Paris selber konzentrierten kulturellen Highlights in die Vororte bringen. Zusätzlich ist es natürlich ein symbolischer und politischer Akt, die Grosswohnsiedlung Les Bosquets in Clichy-Montfermeil mit der Villa Medici in Rom in Verbindung zu bringen.
Die Schwierigkeit die Bewohner in ein solches von oben gesteuertes Kulturprojekt einzubinden hat die Stadt Paris seit 2008 mit dem Kulturzentrum Centquatre im dem von höherer Arbeitslosigkeit geprägten 19. Arrondissement erlebt. Das Projekt des Tour Utrillo ist auch kein Wegbereiter, denn das Künstlerkollektif 6B hat sich schon vor ein paar Jahren in einen leerstehenden Bürokomplex von 3000m² in Saint-Denis eingerichtet. Interessant bleibt es trotz allem und hoffentlich kann das Kultusministerium bei dem Projekt von den gemachten Erfahrungen lernen.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Texte veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 1/2012

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