Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001

MICAD Computermesse – Frankreich

Bits und Bytes in Paris

MICAD ist 20 geworden. Hinter diesem Kürzel gruppierten sich dieses Jahr wieder 417 Firmen auf 280 Ständen, einige Konferenzen und Seminare, eben alles was sich um die Informatik in der Konstruktion, Fabrikation, Design und Architektur dreht. Die Messe, die vom 6. bis 8. März in Paris auf dem Ausstellungsgelände der Porte de Versailles stattfand, schrieb sich in die Europäische Woche der Informationstechnologien ein, welche auf 14 Messen 1600 Aussteller auf 140 000 m2 gruppiert.

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001 © www.arte-factory.com

Auf der MICAD präsentierten sich anfänglich überwiegend die Soft- und Hardwarehersteller der Maschinenbau- und Designindustrie. Doch durch den in den letzten Jahren angestiegene Anteil der an der Bauindustrie orientierten Aussteller, widmeten man dieses Jahr dem Sektor offiziell einen Schwerpunkt. Alle Hauptakteure der Software- und Hardwarehersteller für die Bauindustrie waren vertreten. Einige hatten neue oder überarbeitete Versionen ihrer Produkte mitgebracht, andere stellten einfach ihre bekannten Produkte noch einmal vor. In dem CAD Bereich präsentierte ACA Europe „ARC+ Progress“, Abvent die Version Archicad 7.0, Autodesk u.a. Architectural Desktop 3, Bentley Systems präsentiert Microstation 8 und Nemetschek Allplan FT.

Die Softwarelösungen reichen von einfachen 2D CAD Programmen über Simulationen und Animationen in den stark wachsenden Sektor der Verwaltungs- und Organisationsprogramme. Den Hauptteil des Marktes bilden jedoch weiterhin die klassische 2D CAD Anwendung, welche verstärkt in ein Netzwerk von verschienen Programmen eingebunden werden. Die Neuentwicklung dieser Programme konzentriert sich weitgehend auf die Ergonomie, die Schnelligkeit, die Kommunikation zwischen der Software und den Terminals und den zusätzlichen Serviceleistungen, die das Produkt unterstützen.

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001 © www.arte-factory.com

In der Ergonomie werden die Bedieneroberflächen verständlicher und intuitiver gestaltet und organisiert. Bestimmte Funktionen werden automatisiert und Befehlabfolgen gruppiert und somit der Zeichenprozess vereinfacht und beschleunigt. Die Funktionsweisen der Programme gleichen sich mehr des Arbeitsablaufes der Architekten an. Einige Programme, wie Architectural Desktop 3 von Autodesk, sind auf den verschiedensten Terminals einsetzbar. Neben dem PC im Büro und zu Hause, dem Notebook bei dem Kundenbesuch, kommen nun auch die elektronischen Organizer ins Spiel. Durch die bessere Qualität der Bildschirme können einfache Pläne darstellen und bearbeiten werden. Dies wird gekoppelt mit einer Vernetzung der verschieden Terminals via Internet.

Ein weiteres Handicap, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Programmen unterschiedlicher Hersteller, scheint der Lösung näher gekommen zu sein. Bei dem Transfer von Daten blieb immer das Risiko des Verlustes oder der Fehlinterpretation. Ein in den letzten Jahre entwickeltes Dateiformat, das „IFC“ soll nun Abhilfe schaffen. Das System des „IFC“ ist schon bei den meisten Programmen integriert und bildet vielleicht die wichtigste Neuerung auf dem Sektor der CAD.

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001

Das Forschungszentrum Wismar. Entwurf und 2D-Plan vom Atelier Jean Nouvel, Bearbeitung und 3D-Darstellung von Artefactory, 2001 © www.arte-factory.com

Nach Corinne Hoppstadter von Nemetschek Frankreich scheinen die französischen Anwender mehr die Möglichkeiten der 3D Visualisierung und der Animationen anzuwenden als ihre deutschen Kollegen. Doch auch hier beschränkt sich die Nutzung der 3D Funktionen auf die Konzeptionsphase. Ist das Projekt erst einmal akzeptiert, werden die 3D Modelle in Pläne und Schnitte aufgeteilt und im 2D Modus weitergearbeitet, auch wenn dabei ein großer Teil der schon eingegeben Daten verloren gehen. Um die Kompatibilität zu gewährleisten weisen die Programme in ihrer Grundstruktur jedoch keine Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern auf. Nur auf der Ebene der Benutzeroberflächen und der mitgelieferten Objektbibliotheken sind die Dateien den Ländern angepasst.

Ein Ausblick in die zukünftige Entwicklung lässt auf jeden Fall Gutes versprechen. Martin Robain von dem französischen Architekturbüro Architecture Studio ist überzeugt, dass die Architekten durch einen geschickten Einsatz der entwickelten Computerprogramme die komplette Leitung der Projekte durch die Organisation und Verteilung der Informationen wiedererlangen können und neue Arbeitsbereiche erschließen können. Von den Architekten verlangt dies nur eine konstante Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Programme und ihren Möglichkeiten. Alors, allumez vos ordinateurs et bon travail.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Baumeister, Mai 2001

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