La Défense Bürotürme versus Campus – Frankreich

Das Generali Hochhaus in La Défense

Das Generali Hochhaus in La Défense © Valodre et Pistre, 2011

Mitte Juli hatte die Versicherung Generali überraschend die Errichtung ihres gleichnamigen Hochhauses mit 265 m Höhe und 90 000 m² Bürofläche in La Défense abgesagt. Dabei waren die Baugenehmigungen letztens erteilt worden und das Unternehmen hat bis heute 10 Millionen Euros in die Planung investiert.

Der russische Bauträger Hermitage, welcher schon an dem Projekt der Hochhäuser Hermitage in La Défense arbeitet, erkärte sich interessiert das Projekt zu übernehmen, jedoch als gemischt genutztes Hochhaus. Denn nach seiner Einschätzung sind monofunktionelle Bürotürme von mehr als 50 000 m² nicht mehr zeitgemäss.

Der Entwurf des Tour Generali schien veraltet und konnte trotz seiner markanten Spitze als reines Bürogebäude nicht mehr den nötigen Enthusiasmus erwecken. Auch Versuche mit Windkraftanlagen in der Spitze und Solarzellen die Energiebilanz aufzubessern, brachten nicht die gewünschte Verjüngungskur.
Dazu kommt, dass sich bei einigen Unternehmen die Idee des Bürocampus gegenüber der Bürotürme durchsetzt. Der Mobilfunkkonzern SFR wird 2015 seine Hochhaus in La Défense verlassen, um die 8500 Mitarbeiter auf 130 000 m² Fläche als Campus in Seine-Saint-Denis zu gruppieren.

Es ist an der Zeit, dass sich die Typologie des Hochhauses wandelt. Mit geschlossenen Erdgeschossen, monofunktioneller Nutzung und für die Öffentlichkeit unzugänglichen Gebäuden werden Enklaven erzeugt, welche anscheinend weder Bauträger noch Nutzer motivieren und letztendlich auch keine Stadt erzeugen. Eine Problematik, welche das Büroviertel von La Défense seit einigen Jahren prägt. Ob das Modell Campus dabei erfolgreicher ist, bleibt zu überprüfen, doch die Bedürfnisse nach Nutzungsmischung in Hochhäusern erreicht nach und nach alle Akteure.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink
Texte veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 4/2011

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