Sozialer Wohungsbau von 1980 in Paris

Sozialer Wohnungsbau – Frankreich

Sozialer Wohungsbau von 1980 in Paris
Rue Alleray Paris @ Christian Horn 2018

Mit der Steigung der Immobilienpreise und der Mieten in vielen größeren Städten Europas rückt der soziale Wohnungsbau und die Rolle der öffentlichen Hand bei der Bereitstellung von Wohnraum wieder in das Blickfeld.

In Frankreich war und ist der soziale Wohnungsbau ein wichtiger Teil der Wohnungsbaupolitik. Ab 1894 begann der französische Staat sich darin zu engagieren. In verschiedenen Formen und Orientierungen, wie die HBM, die Gartenstädte, die Großwohnsiedlung…, wurden im Laufe der Jahre 4,8 Millionen Sozialwohnungen errichtet in denen 10,7 Millionen Menschen wohnen (2016).

Seit 2013 verpflichtet das Gesetz SRU alle Ballungsgebiet mit mehr als 50000 Einwohnern ein Minimum von 25% Sozialwohnungen zu erreichen. In Wirklichkeit gibt es jedoch noch große Unterschiede je nach politischer Ausrichtung der Gemeinden. So hat die wohlhabende Gemeinde Neuilly-sur-Seine im Westen von Paris gerade 3%, und die benachbarte Gemeinde Gennevilliers 38% Sozialwohnungen.

Doch ist der soziale Wohnungsbau natürlich auch kein Allheilmittel. So wird das Hauptziel einer sozialen Mischung in den Stadtvierteln nicht immer erreicht. Und teilweise sind gut gelegene Sozialwohnungen langfristig mit gut verdienenden Mietern belegt, während bedürftige Bewerber auf der Warteliste stehen.

Für die Architektur war der soziale Wohnungsbau oft ein wichtiges Feld für Innovationen. Gesellschaftliche Veränderungen wurden von engagierten Architekten in Architekturwettbewerben getestet und gebaut. Auch heute legt die Stadt Paris noch viel Wert auf die architektonische Qualität der Wohnungsbauten und testet neue Wohnformen.

Und dass nach der Fondation Abbé Pierre trotz eines dynamischen Immobilienmarkts über 4 Millionen Menschen in Frankreich in ungeeigneten Wohnverhältnissen leben, gibt dem soziale Wohnungsbau weiterhin eine wichtige Rolle um das Recht auf Wohnen teilweise zu verwirklichen.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro Rethink in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 6/2018

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