Arbeiterhäuser bei Nemours

Stadt und Land – Frankreich

Arbeiterhäuser bei Nemours

Arbeiterhäuser bei Nemours @ Christian Horn 2016

Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich haben die Aktualitäten des ersten Halbjahres bestimmt, an welche sich die Parlamentswahlen anschließen. Emmanuel Macron konnte die Wahlen mit 66,1% vor Marine Le Pen für sich entscheiden.

Die geographische Verteilung der Stimmen zeigt, dass die ländlichen Regionen eher Marine Le Pen von der ‘Front National’, eine nationalistisch orientierte Partei, und die städtischen Regionen eher Emmanuel Macron von der liberalen und europafreundlichen Partei ‘La République en Marche’ wählten.

Eine Verteilung und Tendenz, welche Fragen an die zukünftige Raumplanung stellt. Denn zeigt sich oft in Interviews, dass sich die Bewohner der ländlichen Regionen, wie auch der kleineren und mittleren Städte, von der positiven Entwicklung Frankreichs ausgeschlossen fühlen. Die langjährigen Debatten um die Distanz zu Krankenhäusern, den Mangel an Ärzten, die Qualität des Internetzugangs und den Abbau von Arbeitsplätzen, wie die Schließung von Whirlpool in Amiens, sind Zeichen der Problematik.

Doch zufriedenstellende Lösungen gibt es bis jetzt wenig. In dem oft beschriebenen weltweiten Wettbewerb der Metropolen, folgt der französische Staat den Tendenzen und begleitet die privaten Investitionen in den Metropolen. Die Raumplanung ländlicher Regionen und Städte erscheint oft unstrukturiert mit einerseits Subventionen für Kulturzentren in den Innenstädten und gleichzeitig Genehmigungen für Supermärkte am Stadtrand welche den innerstädtischen Einzelhandel schwächen.

Eine durchdachte Strategie der Raumplanung, mit vielleicht einer Stärkung der Regionen nach dem Vorbild der Länder, sollte einer der Punkte auf der To-do-Liste von Emmanuel Macron sein, damit die dünn besiedelten Regionen nicht die Verlierer der Globalisierung werden oder sich zumindest nicht so fühlen.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro Rethink in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 3/2017

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