Ground Control in Paris

Zwischennutzung im Aufwind

Ground Control in Paris

Ground Control, F-Paris @ Christian Horn 2018

Die Zwischennutzung von städtischen Brachen hat wieder Hochsaison in Frankreich und in der Metropole Paris. Ob Grands Voisins, Ground Control oder Base Filante, unkonventionelle Nutzungen von brachliegenden Grundstücken sind jetzt im Mainstream angekommen. Noch vor einem Jahrzehnt als illegale Besetzungen angeklagt, sind Zwischennutzung nun toleriert, offiziell unterstützt und gefördert.

Ein langwieriger Prozess brachte die Stadtplanung in Frankreich von einer nationalen top-down Planung in den 60-70 Jahren durch die Dezentralisierung in den 80-90 Jahren auf eine lokale Ebene. Ab 2000 verdrängten ansteigenden Immobilienpreise kulturelle und soziale Aktivitäten auf leer stehende Brachen. Dabei entwickelten die Akteure eine neue Art des Städtebaus, spontaner, lebendiger und oft im Dialog mit den Anwohnern, deren Unterstützung ihnen wichtig war.

Ground Control in Paris

Ground Control, F-Paris @ Christian Horn 2018

Ab 2010 entdeckten die Institutionen und Bauträger schrittweise die Vorzüge dieser ungeplanten Zwischennutzung. Keine umzäunten Brachen in den Städten, keine Kosten für die Bewachung der leeren Gebäude und ein positives Image für die zukünftigen Projekte. Notwendig ist nur eine anfängliche Investition um die bauliche Sicherheit der Besucher zu gewähren und das gute Zusammenspiel der verschiedenen Akteuren.

Doch mit der Professionalisierung der Zwischennutzungen stellen sich neue Herausforderungen. Die temporären Aktivitäten erzeugen interessante Verbindungen von kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Akteuren. Wie kann man diese informelle Dynamik in die oft noch klassischen Bauprojekte überführen ? Auch erzeugen diese eine Wertsteigerung der Grundstücke von der jedoch die temporären Nutzer der Brachen noch wenig profitieren. Doch hat sich die Zwischennutzung als ein Werkzeug der Stadtplanung nun fest etabliert.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro Rethink in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 4/2018

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