HafenCity Hamburg

Die Eventisierung von Städten, Hamburg Hafencity – Deutschland

Quartiersübersicht HafenCity

Quartiersübersicht HafenCity © M. Korol HafenCity Hamburg GmbH

Die Eventisierung von Städten wird heutzutage vermehrt als Methode benutzt, um sowohl nach innen, für die Stadt und ihre Bewohner, als auch nach außen, im nationalen und internationalen Maßstab, ein positives Image, einen Besucherandrang und eine emotionale Verbindung zu der Stadt aufzubauen. Verschiedene kleine und große Events sollen dabei differenzierte Zielgruppen ansprechen und so auch die Stadtpolitik und –entwicklung vorantreiben.

Im Fall von Hamburg übernimmt der Stadtteil der HafenCity einen starken Beitrag für das Marketing der Stadt und versucht durch diverse Events und Kulturveranstaltungen das maritime Flair der Stadt zu bewerben. Gleichzeitig wird die Methode der Eventisierung auch genutzt, um den recht neuen Stadtteil HafenCity zu beleben, bekannt zu machen und eine stärkere Urbanität zu erzeugen. Betrieben wird diese Strategie von der HafenCity GmbH, einer Tochterfirma der Hansestadt Hamburg.

HafenCity Hamburg

HafenCity Hamburg. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Der Hamburger Stadtteil HafenCity wird zurzeit auf einem ehemaligen Hafenareal von 157ha erbaut und ist das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas. Begonnen wurde mit der Entwicklung des westlichen Teils der HafenCity, das erste Quartier Am Sandtorkai/ Dalmannkai wurde 2009 fertiggestellt. Mit weiteren Bebauungsabschnitten weitet sich die HafenCity nun in Richtung Osten aus. In dem Stadtteil, der anstrebt Wohnen, Arbeiten, Konsum und Freizeit zu verbinden, sind bereits mehr als 2000 Wohnungen realisiert worden. Die Bewohner leben mit kleinen und großen Events vor der Haustür, auf der Straße oder den öffentlichen Plätzen in ihrem Viertel.

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Das Event wurde schon in den 1990er Jahren von den Stadtsoziologen Hartmut Häußermann und Walter Siebel als neues Instrument in der Stadtentwicklung analysiert. Der dadurch entstandene Begriff der Festivalisierung beschreibt dabei die Form von Festen und Events, die einen direkten Einfluss auf die Stadt auswirken. Durch verschiedene Arten von Events und Methoden des Eventmarketings kann sich die Stadtpolitik der Festivalisierung bedienen, um auch Projekte der Stadtplanung voranzutreiben.[1] Produziert wird eine „Stadtentwicklung durch Projekte, das heißt mit der kampagnenartigen Mobilisierung von Geldern, Menschen und Medien für in jeglicher Hinsicht (zeitlich, räumlich, thematisch, finanziell, medial) punktuelle Ereignisse.“[2]

Der Eventisierungs- und Festivalisierungsbegriff gewann seit einiger Zeit über die Sozialwissenschaften und Stadtentwicklung hinaus an Bedeutung und lässt sich auch als ein „kritischer Begriff für den zeitgenössischen Trend, Qualität und Image einer Stadt durch populäre Grossveranstaltungen zu stärken“ verstehen.[3]

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Auf der Ebene der Stadtbewohner trägt die Festivalisierung in Städten auch zur urbanen Identitätsleistung und Gemeinschaftsbildung bei. Durch die zunehmende Globalisierung, Pluralisierung und Individualisierung nimmt die Identifikation mit Städten ab, sodass Events als Medium zur Identitätsbindung benutzt werden können. „Dabei geht es auf der einen Seite selbstverständlich darum, spektakuläre Bilder für die Welt zu produzieren. Vor allem geht es aber um Identifizierungs- und Vergemeinschaftungsanlässe für die Stadtbevölkerung selber.“[4] Bei der Eventisierung verfolgen die Städte verstärkt das Ziel, „die multiple Anknüpfungs- und Identitätsfähigkeit der Stadt zu betonen und für möglichst alle Interessen auch die passende Inszenierung anzubieten […].“[5] Somit wird insgesamt eine breite, bei jedem einzelnen Event jedoch eher eine spezifische Zielgruppe angesprochen.

Die HafenCity GmbH ist bestrebt, die Lebensqualität des Stadtteils durch Urbanität zu steigern. Diese Urbanität soll durch die vielseitigen Nutzungen, die sich im Viertel überlappen und direkt in Beziehung zueinander stehen, erzielt werden. Dazu zählt die HafenCity GmbH auch die Kultur- und Freizeitangebote im Stadtteil, die besonders gefördert werden. Demnach ist die Eventisierung und Festivalisierung der HafenCity in Planung, Entwicklung und Bespielung des Stadtteils von großer Relevanz. „Im Entwicklungsprozess des Stadtteils spielen kulturelle sowie künstlerische Nutzungen […] eine sehr wichtige Rolle als Impulsgeber.“[6]

Besonders die kulturellen Großprojekte der HafenCity, wie die Elbphilharmonie oder das Internationale Maritime Museum sollen den Stadtteil sowohl für die Besucher als auch Bewohner bereichern.[7]

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Dabei spielen auch die öffentlichen Plätze und Freizeitangebote eine große Rolle. So werden „bei der Gestaltung der Plätze, Parks und Promenaden stets die Anforderungen von Kunst und Kultur berücksichtigt. So entstehen – neben großen institutionellen Kultureinrichtungen wie der Elbphilharmonie und dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg – viele neue Schauplätze für Kunst und Kultur mit Geschichte.“[8]

„Kunst- sowie Kulturschaffende erschließen sich die HafenCity und werden dabei vielfältig unterstützt. An prägnanten Orten der HafenCity entstehen Institutionen mit internationaler Strahlkraft“ und „viele kleinere und mittlere Projekte und Orte“ für Events und Kultur.[9]

Auf der Website der HafenCity GmbH wird der monatliche Event- und Veranstaltungskalender der HafenCity veröffentlicht, in dem abgelesen werden kann welche Events auf welchen Flächen stattfinden werden. Im Sommer finden fast täglich Aktionen auf den öffentlichen Plätzen statt und besonders die Wochenenden werden für verschiedene Großevents, Festivals und Sportattraktionen genutzt. „Für eine Vielzahl regelmäßig stattfindender Veranstaltungen ist die HafenCity als Standort oder Spielstätte fest etabliert. Ob Lange Nacht der Museen, der Hamburger Architektur Sommer, das Harbour Front Literaturfestival, das Elbjazz-Festival – die Liste der Veranstaltungen ist lang, und die Plätze und Promenaden der HafenCity dienen den Veranstaltern nicht selten als Freilichtbühne, Auditorium oder als Tanzparkett.“[10]

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Laut der HafenCity GmbH sprechen die Events „unterschiedliche Bewohnermilieus an“ und sorgen auch für „von den Bewohnern selbst initiierte kulturelle Angebote.“[11] So soll „parallel zu der neuen oft pulsierenden Urbanität […] gleichzeitig ein privates nachbarschaftliches Zusammenleben“ entstehen.[12] Die HafenCity GmbH setzt somit auch auf Eventisierung als Methode zur Nachbarschaftbindung der Bewohner. Die Lebensqualität im Stadtteil soll durch die regelmäßige Bespielung durch viele und verschiedene Veranstaltungen gesteigert werden und ein urbanes, gleichzeitig familiäres Lebensgefühl vermitteln. So vermittelt die HafenCity auch ein bestimmtes Lebensgefühl, dass durch die funktionelle Mischung des Stadtteils, die verschiedenen Akteursgruppen und die Eventisierung definiert werden kann. Dies lässt sich auch als klare Strategie zur Kommunikationspolitik und Imageproduktion des Stadtteils verstehen.

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY-SA 2.0

Die Eventisierung des innenstadtnahen Gebiets, in dem dennoch mehr als 2000 Menschen wohnen, hat dabei auch direkte Auswirkungen auf die Bewohner des Viertels. Im medialen Diskurs seit 2006 lassen sich verschiedene Aussagen von Bewohnern über das Leben in der HafenCity finden, die die Auswirkungen der hohen Besucherzahlen, kulturellen und maritimen Veranstaltungen beklagen. Besonders der erste Bebauungsabschnitt, das Areal Am Sandtorkai/ Dalmannkai, ist davon betroffen. Sowohl auf der südlichen als auch nördlichen Seite werden die beiden Plätze, die Magellan- und die Marco-Polo-Terrassen, die Promenaden und Wasserzugänge durch verschiedene temporäre und dauerhafte Veranstaltungen bespielt. Anwohner beklagten sich über Verschmutzung, Lautstärke, die Masse an Besuchergruppen und eingeschränkte Verkehrsmöglichkeiten, einige zogen wieder weg.

Events in der HafenCity

Events in der HafenCity. Bild: “Creative Commons” von Urban Explorer Hamburg. Lizenz CC BY 2.0

Gleichzeitig werden die Veranstaltungen von vielen Bewohnern auch als positiv angesehen. Im Interview mit zwei Anwohnern des Quartiers wurde die Eventisierung als positive Maßnahme zur Belebung des Viertels und zur Nachbarschaftsbindung wahrgenommen. Deutlich wird dabei, dass die Effekte der Eventisierung als Bewohner des Areals definitiv wahrgenommen werden und ein Weg gefunden werden muss, damit umzugehen. Sowohl die HafenCity GmbH und die Veranstalter als auch die Bewohner scheinen in den letzten Jahren einen Prozess eingegangen zu sein, der versucht die Interessen aller Parteien zu beachten. Die Veranstaltungszeiten wurden limitiert, Lautstärke und Verschmutzung stärker reguliert und die Bewohner wurden besser über Veranstaltungen und deren direkte Auswirkungen informiert. Den Bewohnern wurde somit ermöglicht, sich besser auf die Veranstaltungen einzustellen und gegebenenfalls Maßnahmen zu treffen. Einige der Bewohner sind zudem proaktiv in die Gestaltung der Veranstaltungen involviert. Mit der weiteren Bebauung der HafenCity weitet sich die Eventisierung langsam auch auf die neuen Gebiete aus. Mittlerweile scheinen die Bewohner und Neuzugezogene zu wissen, was sie in dem eventisierten Stadtteil HafenCity erwartet. Alle Parteien verfolgen einen offenen Prozess, der das Leben im Stadtteil durchschaubarer machen soll.

Autorin: Lea O., office rethink

[1] Vgl. Häußermann, Hartmut/ Siebel, Walter (Hg.): Festivalisierung der Stadtpolitik: Stadtentwicklung durch große Projekte. Opladen. 1993. S. 7f.

[2] 2 Betz, Gregor/ Hitzler, Roland/ Pfadenhauer, Michaela: Zur Einleitung: Eventisierung des Urbanen. In: Betz, Gregor/ Hitzler, Roland/ Pfadenhauer, Michaela (Hg.): Urbane Events. Wiesbaden.2011. S.11.

[3] Gyr, Ueli: Festivalisierung und Eventisierung als urbane Identitätsleistung. In: Binder, Beate et.Al. (Hg.): Ort. Arbeit. Körper. Ethnografie Europäischer Modernen. Münster. 2003. S.243.

[4] Betz, Gregor/ Hitzler, Roland/ Pfadenhauer, Michaela: Zur Einleitung: Eventisierung des Urbanen. In: Betz, Gregor/ Hitzler, Roland/ Pfadenhauer, Michaela (Hg.): Urbane Events. Wiesbaden.2011. S.13

[5] ebd.

[6] HafenCity Hamburg GmbH: Vorhang auf – Die HafenCity als Bühne für Kultur. 2015. (http://www.hafencity.com/de/leben/vorhang-auf-die-hafencity-als-buehne-fuer-kultur-.html, 27.09.2015)

[7] Vgl. HafenCity Hamburg GmbH: Kulturelle Leuchtturmprojekte. 2015. (http://www.hafencity.com/de/leben/kulturelle-leuchtturmprojekte.html, 27.09.2015)

[8] HafenCity Hamburg GmbH: Vorhang auf – Die HafenCity als Bühne für Kultur. 2015. (http://www.hafencity.com/de/leben/vorhang-auf-die-hafencity-als-buehne-fuer-kultur-.html, 27.09.2015)

[9] HafenCity Hamburg GmbH: Kulturelle Leuchtturmprojekte und Vorhang auf – Die HafenCity als Bühne für Kultur. 2015. (http://www.hafencity.com/de/leben/kulturelle-leuchtturmprojekte.html, http://www.hafencity.com/de/leben/vorhang-auf-die-hafencity-als-buehne-fuer-kultur-.html, 27.09.2015)

[10] HafenCity Hamburg GmbH: Vorhang auf – Die HafenCity als Bühne für Kultur. 2015. (http://www.hafencity.com/de/leben/vorhang-auf-die-hafencity-als-buehne-fuer-kultur-.html, 27.09.2015)

[11] HafenCity Hamburg GmbH: Leben in der HafenCity: ein neues Gefühl von Stadt. 2015. (http://www.hafencity.com/de/konzepte/leben-in-der-hafencity-ein-neues-gefuehl-von-stadt.html, 27.09.2015)

[12] ebd.

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