Die Eroberung der Seineufer, Paris – Frankreich

Die Port de Solferino in Paris

Die Port de Solferino in Paris, 2011 © J.-C. Choblet / APUR

Auf den seit 1991 als Weltkulturerbe eingetragenen Seineufern von Paris, durchquert täglich eine Schlange von Fahrzeugen die Innenstadt von Paris, 40 000 alleine auf dem nördlichen Ufer. Die in den 60er Jahren angelegten Schnellstrassen folgen dem Lauf der Seine und blockieren über grössere Abschnitte den Zugang zum Fluss.
Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hat am 14 April seine Pläne für die Umgestaltung der Seineufer präsentiert. Oft beschuldigt, die Autofahrer in Paris durch seine verkehrsberuhigenden Massnahmen bestrafen zu wollten, hat er auf das Ziel der notwendigen Reduzierung der Luftverschmutzung und des Verkehrs hingewiesen.
Der jetzt präsentierte Rückbau der Schnellstrassen war seit Jahren pädagogisch vorbereitet worden. Die seit 2002 jährlich stattfindende Aktion „Paris Plage“, bei der im Sommermonat August die Seinufer gesperrt und ein künstlicher Strand aufgebaut werden, sollte den Bürgern die Qualitäten des Stadtraumes und andere Nutzungsmöglichkeit der Flussufer näherbringen. Die Aktion „Paris Respire“, welche nicht nur die Seineufer betrifft, übergibt das ganze Jahr über jeden Sonn- und Feiertag bestimmte Strassenabschnitte an Fussgänger, Fahrrad- und Rollschuhfahrer.
Beide Aktionen sollen neue Nutzungsmöglichkeiten des öffentlichen Raumes aufzeigen und die Allgegenwart des Automobils im Stadtbild einschränken. Kritiker halten dagegen, dass sich Paris immer mehr von einer Stadt in der man lebt und arbeitet zu einem Freizentrum und Freilichtmuseum für bestimmte Bevölkerungsgruppen wandelt. Ganz falsch liegen sie dabei sicher nicht, den gewissen Berufsgruppen, wie Handwerksbetriebe, findet man in der Innenstadt inzwischen kaum noch.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Texte veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 3/2010

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