Dunkerque – Frankreich

Der Place du Minck in Dunkerque

Der Place du Minck in Dunkerque, 2010 © Christian HORN

Dunkerque definiert sich als kleine Stadt mit grossem Hafen. Nach einer ereignissreichen historischen Entwicklung, weitreichenden Zerstörungen im 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau entwickelte sich ihr Hafen zu einem Industriestandort. Viele stadtplanerische Entscheidungen wurden jedoch nicht vor Ort, sondern von der französischen Regierung zentral in Paris getroffen.
Der Wiederaufbau durch den von Paris gesendeten Architekten Jean Niermans resultierte in einem zu weitmaschigen Stadtgefüge, welches die Stadt nicht ausfüllen konnten. Der Entwicklung als nationaler Industriestandort folgte in den 60er Jahren mit der Stahlindustrie, dem Neubau der Raffinerie, begeleitet von den Wohnanlagen der Arbeiter nahe den Industrieanlage. Die Gemeinde Grande-Synthe wuchs in dieser Zeit von 2875 (1962) auf 24250 (1975) Einwohner.
1987 wurde die Schliessung der Werft bekanntgegeben und in der Reihe ähnlicher Entscheidungen verkündete die Firma Total Anfang des Jahres die Schliessung der Raffinerie. Als Spielball nationaler Entscheidungen fällt es der Stadt bis schwer eine selbstbestimmte, ihr angemessene Entwicklung zu finden. Die Rolle als Industriestandort ist ihr durch die Gewerbesteuer lange vergütet worden und der Ballungsraum von 200000 Einwohnern weisst überdurchschnittlich viele öffentlichen Einrichtungen auf. Doch mit der Steuerreform 2010 fällt auch diese weg.
Dunkerque versucht durch Stadtteilprojekte mit bekannten Architekten wie Neptune (Richard Rogers), Grand Large (Nicolas Michelin), Coeur d’agglomération (Joan Busquets) neue Weg zu finden. Doch scheinen diese Versuche zu zögerlich und oberflächlich angesichts der anstehenden Entwicklungen. Es müsste eher ein Ruck durch Dunkerque gehen.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Texte veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 4/2010

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