Blick auf Sidi El Houari, Oran

Sidi El Houari, Oran – Algerien

Blick auf Sidi El Houari, Oran

Blick auf Sidi El Houari, Oran © Rethink 2016

Die algerische Stadt Oran liegt an der dicht besiedelten Mittelmeerküste etwa 160 km vor der Grenze zu Marokko. Seit Beginn des 19. Jh. erlebt die Stadt einen starken Bevölkerungswachstum, von etwa 100 000 Einwohnern um 1900 bis etwa eine Million heute.

Begrenzt von dem Mittelmeer im Norden und der Erhebung des Aïdour im Westen, breitet sich die Stadt auf den Ackerflächen im Süden und Osten aus. Einfallslos werden etappenweise neue Ringstraßen angelegt, wenn die Stadterweiterung die vorherige überschritten hat. Radialstraße verbinden mit dem Stadtzentrum und die Zwischenräume werden mit Wohnblöcken oder anderen Funktionen ausgefüllt. Die fünfte Ringstraße ist gerade in Bau.

Durch die Einnahmen mit dem Export der Öl- und Gasreserven möglich gemacht und durch den Bevölkerungswachstum begründet, entwickelte Algerien eine Wohnungsbaupolitik, die hauptsächlich auf dem Bau von Sozialwohnungen basiert. Wohnungen, welche in großer Anzahl an der Peripherie der Städte entstehen und einem großen Teil Bevölkerung unentgeltlich als Eigentum übergeben werden.

Gebäude in Sidi El Houari, Oran

Gebäude in Sidi El Houari, Oran @ Rethink 2016

Die Stadterweiterung und Wohnungsbaupolitik führt dazu, dass in Oran die historischen Stadtviertel verlassen und die Gebäude baufällig werden. Die Mieter hoffen Eigentümer einer Sozialwohnung an der Peripherie zu werden und unterhalten die älteren Gebäude nicht. So liegen große Teile des historischen Viertels Sidi El Houari schon in Ruinen. Und es gibt Gerüchte, dass die Behörden den Verfall gutheißen, um in Zukunft auf den verlassenen Grundstücke ein neues touristisch orientiertes Stadtviertel zu errichten.

Doch lokale Bürgerbewegungen stellen sich gegen den Verfall und haben 2015 eine Klassifizierung von Sidi El Houari als historisches Stadtviertel erreicht. Leider sind mit der Klassifizierung bis heute keine konkreten Maßnahmen verbunden, und so zerfallen die Bauten bei jedem Regen etwas mehr.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro Rethink in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 1/2017

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