Vergleich der Flächen von Paris, London, Berlin

Wächst Paris über sich hinaus ?

Vergleich der Flächen Paris London Berlin

Vergleich der Flächen Paris London Berlin © Rethink 2007

Paris liegt mit 2,1 Millionen Einwohnern inmitten eines Ballungsraumes von 10 Millionen Menschen. Dieser ist das bedeutendste Wirtschaftszentrum Frankreichs, in welchem sich ein Viertel der Produktionsbetriebe des Landes befinden. Die Hauptstadtregion Ile-de-France mit 11 Millionen Einwohnern hat durch die starke Konzentration nationaler und internationaler Unternehmen einen Anteil von etwa einem Drittel am Bruttoinlandsprodukt des Landes. Sie gehört zu den wohlhabendsten Regionen Europas und liegt inmitten einer der fruchtbarsten Agrarlandschaften.

Doch im Gegensatz zu Hauptstädten wie Berlin, London und Madrid haben sich die Stadtgrenzen von Paris seit 1860 nicht verändert. Die außerhalb der Ringautobahn Périphérique liegenden, etwa 400 Gemeinden des Ballungsraumes sind selbstständig und zählen nicht zur Stadt Paris. Das Fehlen einer koordinierenden Instanz entwickelt sich mehr und mehr zum Handicap. Die Stadt Paris ist längst vom Umland und der dort vorhandenen Infrastruktur abhängig: Transport, Abwasser, Energie, Wohnraum. All diese Funktionen sind ab den 50er Jahren gezielt aus Paris ausgelagert worden, um in der Hauptstadt Platz für hochwertigere Nutzungen zu schaffen. Die in den 80er und 90er Jahren vollzogene Dezentraliserung stärkte die einzelnen Gemeinden in ihren Rechten, ohne jedoch eine koordinierende Instanz für die großräumliche Planung sicherzustellen. Dies führt heute zu wachsenden Defiziten im öffentlichen Verkehr, bei der Bereitstellung von Wohnraum und zu einer unkontrollierten Ausbreitung der Banlieue-Städte.

Nach seiner Wahl 2001 führte Bertrand Delanoë, der sozialistische Bürgermeister von Paris, mit der »Conférence métropolitaine« ein regelmäßiges Treffen mit den angrenzenden Gemeinden ein. Dieses stieß jedoch anfänglich auf starkes Misstrauen, dass sich die Stadt Paris dadurch nur ihre Führungsrolle in der Metropolregion sichern möchte, und wurde teilweise von den Bürgermeistern der konservativen Parteien boykottiert. Inzwischen hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy die koordinierte Entwicklung zur Chefsache erklärt und einen Wettbewerb ausgerufen, in dem Identität, Verwaltung, Mobilität, Wirtschaft und Wohnraum eines zukünftigen »Ballungsraums Paris« aus verschiedenen Blickwinkeln entwickelt werden sollen. Unter den zehn eingeladenen interdisziplinären Teams aus Stadtplanern, Architekten, Geografen und Künstlern befinden sich Yves Lion, Jean Nouvel, Christian de Portzamparc und Roland Castro, aber auch vier europäische Büros, wie das Büro LIN aus Berlin. Diese haben jetzt ein halbes Jahr Zeit, sich Gedanken über die Metropole des 21. Jahrhunderts nach Kyoto zu machen und diese mit Zeichnungen und Modellen auf den Ballungsraum Paris zu übertragen. Eine Ausstellung der Arbeiten ist für Anfang 2009 in der Cité de l’architecture in Paris geplant.

Eine erfolgreiche Koordination dieses Ballungsraums wird ein entscheidender Faktor sein, ob sich die heutigen Grenzen der Stadt Paris ändern und die Metropolregion Paris durch eine neue Dynamik seinen Status in Europa und Frankreich hält und ausbaut, oder international und national weiter an Einfluss verliert.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Text veröffentlicht in der Deutschen Bauzeitung 09/2008

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