Das Projekt Orestad in Kopenhagen

Kopenhagen CO2 neutral

Die Universität in Kopenhagen

Die Universität in Kopenhagen © Christian Horn 2019

Kopenhagen, die Hauptstadt von Dänemark, präsentiert sich als eine der ökologischsten Städte Europas mit dem ambitionierten Ziel bis 2025 kohlenstoffneutral zu werden. Dies planen Paris oder Berlin erst 2050 zu erreichen. Da erwartete ich ein irgendwie andere, außergewöhnliche Stadt vorzufinden.

In der Innenstadt kreuzt man dann schnell die berühmten Fahrräder. 45 % der Einwohner pendeln zur Arbeit und dass ist beindruckend. Und die Infrastruktur ist vorhanden: breite Radwege, spezielle Ampeln und Stellplätze. In der neuen Metrolinie M3 gibt es geschützte Stellplätze in den Stationen. Es ist oft schwieriger als Fußgänger einen Radweg zu überqueren als eine Fahrbahn.

Trotz allem gibt es mehr Autoverkehr in der Innenstadt, als ich erwartet hätte. Und ein paar größere Durchgangsstraßen durchqueren das Stadtzentrum. Es gibt mehr Elektroautos als in Paris, aber die teilweise 2t schweren Fahrzeuge tragen wohl wenig zum Umweltschutz bei.

Die neuen Stadterweiterungen, wie Ørestad, Sluseholmen oder Teglholmen, weisen auf den ersten Blick keine Besonderheiten auf, wie sie etwa in Vauban, Freiburg, oder BO01, Malmö, zu erkennen sind. Es ist keine neue Herangehensweise an den Städtebau erkennbar, z.B. in Konstruktion, Struktur, Aufteilung.

Seit 2017 ist die neue Amager Slope Müllverbrennungsanlage sichtbar in Arbeit. An das Fernwärmenetz angeschlossen ist sie ein wichtiger Baustein für das 2025 Ziel. Doch überdimensioniert geplant, wird inzwischen Müll von Großbritannien und Deutschland importiert um die Anlage aufzulasten.

Berechnungen zeigen, dass Kopenhagen sein 2025 Ziel nicht erfüllen wird, vielleicht in 2030, vielleicht später. Die Stadt hat mit viel Geld erreicht seine CO2 Emissionen zu reduzieren ohne den Bürger Einschränkungen vorzuschreiben. Doch dieses Model hat seine Grenzen erreicht, und die schwierigen Schritte stehen noch aus. Andere Städte sind dabei inzwischen weiter.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro RETHINK in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 6/2019

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