Hochhaus PBG Parvis de la Défense Paris

La Défense – Frankreich

Hochhaus PBG Parvis de la Défense Paris

Hochhaus PBG Parvis de la Défense Paris © all rights reserved

Nach nun 43 Jahren Planungs- und Bauzeit nähert sich die erste Phase der Errichtung des größten europäischen Geschäftsviertels zu Ende. Einige durchwachsene Jahre und mehr oder weniger glückliche Entwicklungsphasen musste das Projekt von La Défense im Westen von Paris durchstehen, um sich heute in guter Verfassung präsentieren zu können.

Alles begann am 9. September 1958 mit der Gründung der EPAD (Etablissement Public d’Aménagement de la région de La Défense) als öffentlich-rechtliche Gesellschaft, um die Bebauungspläne eines Geschäftsviertels internationalen Ranges auf einem Vororthügel von 750 Hektar Fläche im Westen der Stadt Paris zu entwickeln. Sie führte die städtebaulichen Studien durch, realisierte die notwendigen Infrastruktureinrichtungen und verkaufte die Baugenehmigungen an interessierte Investoren. Das Konzept war das Viertel von La Défense in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und den Behörden ohne zusätzliche Steuergelder zu entwickeln. Heute steht die EPAD mit über einer Milliarde Franc beim französischen Staat in der Kreide. Die anfängliche Lebensdauer der Gesellschaft von 30 Jahren wurde seid der Gründung zweimal verlängert. Das letzte Mal bis 2007. Heute ist abzusehen, das die Aufgaben des EPAD voraussichtlich bis zum Jahre 2004 erledigt sind.

Anfänglich bestand der Hügel noch aus baufälligen Einfamilienhäusern, kleinen Fabriken und einigen Bauernhöfen. Weit entfernt von dem heutigen Geschäftsviertel, in dem etwa 150 000 Angestellten arbeiten. Die EPAD kaufte die Grundstücke auf und entwickelte bis 1964 den ersten Bebauungsplan. Auf dem Gelände befanden sich zu der Zeit etwa 9000 Wohnungen und einige Hunderte von Industrie- und Handwerksbetrieben. Das Projekt zwang diese zum Umzug und wies ein neues Industriegebiet für die verdrängten Betriebe aus. Das Projekt von 1958 sah die Konstruktion von 800 000 m2 Büro-, Wohn- und Geschäftsflächen vor. Die Büro- und Wohnhochhäusern mit einem Grundriss von 42 m x 24 m und bis zu 100 m Höhe gruppierten sich um eine weite Fußgängerebene, welche über den Strassen- und Bahnstrecken liegt. Der Turm Esso bildet den ersten Firmensitz, welcher 1965 in dem neuen Geschäftsviertel eingeweiht wurde. Weitere folgten und die Infrastruktur wurde im gleichen Rhythmus ausgebaut. 1968 folgte die Eröffnung des Bahnhofs und im Februar 1970 die der RER Station von La Défense.

La Défense F-Paris

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Im Juni 1969 wurde die vorgesehene Bürofläche von 800 000 m2 auf 1 600 000 m2 verdoppelt und der Bebauungsplan überarbeitet. Die Hochhäuser gewinnen mit 190, 214 und durch den Turm Fiat mit 235 m langsam an Höhe. Eine neue, zweite Generation von Bürotürmen wird nach dem Vorbild der USA entwickelt, mit Klimaanlage, künstlichem Licht, offenen Büroflächen und zentralem Erschließungskern. Die Angestellten kommen jedoch mit den neuen Büroorganisationen nicht gut klar. Die Arbeitsaufteilung war noch zu hierarchisch und die Großraumbüros der französischen Firmenstruktur nicht angepasst.

1973 erreicht die Ölkrise das Geschäftsviertel und in den nächsten fünf Jahren verkauft die EPAD keine einzige Baugenehmigung. Mehrere Hochhäuser standen leer oder blieben untervermietet. Der Schuldenberg der EPAD stieg auf 680 Millionen Francs. Die negative Kritik an der Ansammlung von Wohn- und Bürotürmen vermehrt sich in den 70er Jahren, doch die Regierung unter dem Präsidenten Georges Pompidou hält an dem Konzept von La Défense fest und startet 1978 ein neues Wiederbelebungsprogramm mit neuen Finanzmitteln. Dies fällt mit dem zu Beginn der 80er Jahre neuerwachenden Immobilienmarkt zusammen und der Einführung der Büros der dritten Generation. Die Großraumbüros mit Kunstlichtarbeitsplätzen verschwinden und die Nachfrage nach natürlichem Licht führt zu Entwürfen mit Lichthöfen und Atrien. Im März 1981 eröffnet „Les 4 Temps“, das damals größte Einkaufszentrum Europas.

Die Büroflächen steigen auf 2 Millionen Quadratmeter. Der Wohnungsbau und die Entwicklung der öffentlichen Einrichtungen wird fortgeführt und der Bebauungsplan aktualisiert. Die Pariser Metrolinie N°1 wird weitergeführt und entlastet die RER, die mit 150 000 Reisenden/Tag ihre Grenze erreicht hatte. Verschiedenste politische und kulturelle Veranstaltungen versuchen dem Viertel ein gesellschaftliches Leben einzuhauchen, u.a. das Treffen der G7 im Juli 1989. Doch eine erneute Wirtschaftskrise stoppt zu Beginn der 90er Jahre die weitere Entwicklung. Die existierenden Bürogebäude bleiben vermietet, doch der Neubau begrenzt.

La Défense F-Paris

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Mit einem neuen Image und neuen Infrastrukturprogrammen zur Entwicklung der Kommunikationsnetze versucht die EPAD das Viertel ab 1995 neu zu beleben. Mit dem Aufschwung der französischen Wirtschaft einhergehend, scheint die Kampagne Erfolg zu haben. Heute sind mehrere hochwertige Bürogebäude mit zusammen mehr als 300 000 m2 Nutzfläche in Bau und überwiegend schon vermietet. Die Baulücken werden knapp und mit dem Verkauf der letzten verteilbaren Baugenehmigung ist das ursprüngliche Programm der EPAD in den nächsten Jahren beendet.

Ursprünglich eine Idee von François Mitterand, ist die Erweiterung von La Défense nach Osten bis zur Seine seit August 1990 im Gespräch. Die historisch zurechtgebogene Achse von dem Place de la Concorde über den Triumphbogen und der Grande Arche soll sich bis zur Seine in Nanterre verlängern. Die französische Regierung stellte 1990 in arroganter Weise ohne vorheriger Absprache mit der Stadt Nanterre ein Projekt von 600 000 m2 Büroflächen und 13 500 Wohnungen vor. Daraufhin stellte sich der Bürgermeister von Nanterre quer und taub. Die folgenden Verhandlungen füllten die nächsten 10 Jahre aus und wurden erst mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung im Mai 2000 zwischen dem Staat und der Stadt Nanterre abgeschlossen. Das in den nächsten Jahren zu errichtende Bauvolumen wurde erheblich auf 205 000 m2 Büro-, 100 000 m2 kommerzielle Infrastruktur und 290 000 m2 Wohnfläche reduziert. Die Stadt Nanterre wollte sicherstellen, den Zuwachs der neuen Einwohner und den Anstieg der Büroflächen kontrollieren zu können. Auch hätte sie die notwendige soziale Infrastruktur für ein größeres Anwachsen nicht finanzieren können.

Um die Leitung des neuen Projektes sicherzustellen und die Funktion der EPAD zu übernehmen wird nun eine neue öffentlich-rechtliche Gesellschaft gegründet, in der die 16 Stimmen zwischen dem Staat und der Stadt Nanterre gleichmäßig aufgeteilt sind und dieser die letzte Entscheidungsbefugnis eingeräumt wird. In der Struktur der EPAD war der Stadt Nanterre nur eine der 18 vorhandenen Stimmen gewillt worden. Weiterhin wurde der Stadt finanzielle Hilfe bei dem Ausbau der Infrastruktur zugesagt.

Das Viertel von La Défense hat heute eine gewisse Reife erlangt. Die letzten Jahre haben die Entwicklung des Viertels scheinbar kontrollierter ablaufen lassen und beinahe könnte man sagen, dass sie einen menschlichen Maßstab eingeführt haben. Der Abriss des ersten Büroturmes von La Défense, dem Turm Esso, um dem neuen Bürokomplex Coeur Défense mit 240 000 m2 Nutzfläche Platz zu machen und die in Gang befindliche Renovierung einiger existierenden Türme der ersten und zweiten Generation zeigen die Einleitung einer neuen Phase.

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La Défense hat recht lange gebraucht um sich zu entwickeln. Die ersten Planungen mit Ihrer strengen Geometrie, die Trennung der Verkehrswege der Autos und Fußgänger und Uniformität der Gebäude brachten dem Viertel sehr schnell und nicht ohne Grund, ein schlechtes Image ein. Erst seit den 90er Jahren trat ein Wandel in der Arbeit der EPAD ein. Dem öffentlichen Raum wurde mehr Bedeutung eingeräumt und die Architektur der Bürotürme hochwertiger. Die neuen Bürogebäude weisen heute ein überwiegend hoch Qualität auf, sowohl in der Architektur als auch in der Qualität der Arbeitsplätze. Die Verkehrsanschlüsse und sonstige Infrastruktureinrichtungen werden ständig verbessert und durch Umbauten werden die Strassen auch für die Fahrräder und Fußgänger zugänglich gemacht.

Doch das ungesunde Verhältnis einer hohen Tagbevölkerung und niedrigen Nachtbevölkerung hat sich bis heute nicht geändert und ist wohl auch ein Merkmal dieser Geschäftsviertel. Die Wohntürme existieren in einer Art Schattendasein zwischen den Bürogebäuden. Wenn die meisten Bürotürme heute neu renoviert werden, befinden sich viele Wohngebäude noch in Ihrem ursprünglichen Zustand.

Vielleicht bringt ja die geplante Erweiterung des Gebietes nach Westen und der späte Beginn der Zusammenarbeit mit der umliegenden Gemeinde Nanterre, welche bis heute sträflich vernachlässigt wurde, eine bessere Integrierung von La Défense in die Stadtlandschaft. Die Entwicklung von La Défense ist mit der Unterzeichnung vorerst auf einen neuen Weg gebracht, auch wenn die EPAD nun bald die Türen schließt.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, Juni 2001

 

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