Fahrradfahrer während des Streiks in Paris

Mehr Fahrradfahrer in Paris

Fahrradfahrer während des Streiks in Paris

Fahrradfahrer während des Streiks in Paris © ARR

Was braucht man um die Anzahl der Fahrradfahrer in einer Innenstadt in kürzester Zeit zu verdoppeln ? Die Stadt Paris hat es herausgefunden: Fahrradwege und einen Streik des ÖPNV.

Mit dem Beginn des Streiks gegen die Rentenreform der französischen Regierung am 5. Dezember war auch der öffentliche Personennahverkehr stark betroffen. Besonders in der Region Ile-de-France und der Stadt Paris blieben die Busse und Bahnen in den Depots. Die Pariser, welche in der Mehrheit den Streik unterstützten, passten sich an. Sie standen früher auf, kamen später nach Hause, wohnen bei Freunden, oder arbeiten in Home-Office und fahren Fahrrad.

Die Frequentierung der Fahrradwege während des Streiks hat sich allgemein verdoppelt und auf bestimmten Strecken zeitweise verdreifacht. Auf dem Boulevard Voltaire wurden auf den beiden zwei Meter breiten Radwegen doppelt so viel Personen gezählt als in den Autos auf der 6,50 m breiten Fahrbahn.

Die Stadt Paris hatte in den letzten Jahren ihre Politik der Reduzierung des Stadtraum für den motorisierten Individualverkehr zu Gunsten der aktiven Mobilität fortgesetzt. Ziel war es von 2015 bis 2020 breite und geschützte Fahrradwege auf der Nord-Süd und Ost-West Achse, sowie entlang der Seine zu bauen, welche das allgemeine Fahrradwegesystem verknüpfen.

Die andauernden Baustellen auf diesen Hauptverkehrsachsen hatten der Regierungsmehrheit natürlich nicht nur Freunde gemacht, im Gegenteil. Doch der Streik der ÖPNV kam genau zur richtigen Zeit. Er hat die Pariser gezwungen auf das Fahrrad zu steigen und die gerade erst fertiggestellten neuen Fahrradwege zu testen. Verdikt positiv.

Was fünf Jahre pädagogische Maßnahmen nicht geschafft haben, hat der Streik in einer Woche geschafft. Bleibt zu hoffen, dass der Wendepunkt erreicht ist und die Liebe zu der ‘petite reine’ (frz. Fahrrad) nicht wieder sinkt, sobald die Busse und Bahnen wieder fahren.

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro RETHINK in Paris, Frankreich

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Der Architekt, N° 1/2020

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