Cafe des Architekturzentrums Wien

Cafe des Architekturzentrums im Wiener Museumskomplex – Österreich

Cafe des Architekturzentrums Wien

Cafe des Architekturzentrums Wien © all rights reserved

Als die Architekten Anne Lacaton und Philippe Vassal 1999 von Dietmar Steiner, dem Direktor des Architekturzentrums, mit der Gestaltung des Cafes im Architekturzentrums des Wiener Museumsquartier beauftragt wurden, fanden sie sich plötzlich in den Bau eines der zehn größten Kulturkomplexe der Welt einbezogen. Die 200 m2 des geplanten Cafebereiches waren Teil der 55 000 m2 Gesamtnutzfläche und einer beinahe 23-jährigen, schwierigen Planungszeit.

Konfrontiert mit diesen Größenordnungen und ohne jeglichen Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild des Cafes, der Fassadengestaltung oder den Hofbereich, begannen sie sich auf die Innenarchitektur zu konzentrierten. Die umgebende militärische Architektur der ehemaligen Pferdeställen und die strenden Auflagen der Gesamtplanung des Museumskomplexes initierte die Architekten dazu mit dem Entwurfskonzept eine Leichtigkeit, etwas Vergnügen und Spaß in eine Ecke des Museumsquatiers zu bringen. Das Cafe des Architekturzentrums soll einen menschlichen Maßstab und eine angenehme, entspannende Athmosphere einbringen. Es sollte nicht komplett durchgeplant, detailliert und beendet werden, sondern Raum in seiner Gestaltung lassen. Raum für Bewegungen, Möbelrücken und Intervention. Raum und Leichtigkeit unter einem großen blauen Himmel.

Cafe des Architekturzentrums Wien

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Ausgestattet mit einem Budget von 340 000 Euros, entschlossen sie sich die Gestaltung des Cafes neben der notwendigen Eingriffe für den Cafebetrieb hauptsächlich auf ein Mosaik der Gewölbebögen zu konzentrieren. Ein Mosaik, welches über die drei Bögen mit seinen sich wiederholenden Motiven das Bild eines Himmel wiederspiegelt und die historischen Beziehung Wiens mit den orientalischen Kulturen und Architektur aufzeigt.

Die Suche nach der Realisierung des Deckenmosaikes führte sie von Paris über Nordafrika in die Türkei und zurück nach Wien. Dort trafen sie die Künstlerin Asiye Kolbai, welche u.a. für einen türkischen Fliesenhersteller in Istanbul arbeitet. Zusammen mit ihr entwickelten sie ein Motiv für das Mosaik und übersetzten es in eine Art Schnittmuster für die Fliesen.

Das Mosaik der Gewölbebögen besteht heute aus etwa 10 bis 12 verschiedenen Motiven, welche in die verschiedenen Fliesen übersetzt wurde. Die Schwierigkeit bei dem Entwurf liegt in der Anzahl und Form der Motive. Zu wenig lassen das Mosaik eintönig erscheinen, zu viele erhöhen die Anzahl der verschiedenen Fliesen und somit die Produktionskosten.

Architekturzentrums Wien

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Der Rest des Cafes ist einfach geblieben, ohne weitere Detailierungen. Der Boden in Sichtbeton mit einer glatten Oberfläche, die Stützten verputzt und weiß gestrichen. Auch das Mobilier ist einfach gehalten und die Beleuchtung soll durch Standleuten gewährleistet sein, damit das Volumen der Gewölbebögen in seiner Gesamtheit erhalten bleibt und so wenig Eingriffe wie möglich die Form verwischten und die Nutzung strukturieren.

In der Gesamtplanung des Museumsquartiers wird es das Cafe des Architekturzentrums hoffentlich lange schaffen dem Wunsch der allgemeinen Harmonoisierung zu entfliehen und einen unfertigen Charakter zu bewaren.

 

Autor: Christian Horn leitet das Architektur und Planungsbüro rethink

Text veröffentlicht in der Zeitschrift Baumeister, November 2001

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